Oberndorf a. N.
Die Dame in Rosa berührt Zuschauer
Von Jens Sikeler
Schwarzwälder-Bote 04.12.2012
Dorothee Jakubowski brillierte in der Rolle der Dame in Rosa.
Foto: Sikeler Foto: Schwarzwälder-Bote
Ein kleiner, todkranker Junge schreibt an Gott und verhandelt mit ihm die wichtigen Dinge im Leben. In "Oskar und die Dame in Rosa", einer Produktion des Rottweiler Zimmertheaters, brillierte Dorothee Jakubowski.
Eric-Emmanuel Schmitt ist ein elsässischer Schriftsteller und Romancier, der gerne große Gefühle skizziert. Und das Stück im Bochinger Kronesaal hätte in emotionalen Kitsch abrutschen können, wenn da nicht Jakubowski gewesen wäre. Sie spielt zwar gekonnt auf der Klaviatur der ganz großen Gefühle, übertreibt dabei aber nicht und bleibt in ihrem Spiel deshalb jederzeit glaubwürdig und überzeugend.
Oskar ist sieben, schwer krank und weiß, dass er bald sterben wird. Der kleine Junge liegt schon so lange im Krankenhaus, dass er es als seine Heimat bezeichnet. Seinen Eltern ist er böse, weil sie ihm verheimlichen, wie es um ihn steht. Dann gibt es da noch Rosa. Sie gehört zu den Frauen, die sich um die Kinder kümmern. Sie wird zu seiner Freundin und Verbündeten. Und sie ist es, die ihn dazu bringt, die Briefe an Gott zu schreiben und seine letzten Tage so zu leben, als wäre ein Tag zehn Jahre.
Meistens sieht und hört man Rosa dabei zu, wie sie die Briefe von Oskar vorliest. Sie trägt sie mit kindlicher Unschuld, aber auch mit großer Anteilnahme vor. Oskar erlebt tatsächlich alles, was ein Mensch in seinem Leben auch erlebt. Er verliebt sich in Peggy Blue, eine andere Patientin. Für einige Tage sind sie tatsächlich ein Paar. Als es zu Ende ist, schreibt er: "Peggy Blue ist weg. Sie ist wieder zu ihren Eltern zurück. Ich bin nicht blöd. Ich weiß, dass ich sie nicht mehr wiedersehen werde." Und als er ein "Greis" ist, lässt er Gott wissen: "Es ist blöd, alt zu werden. Heute habe ich dich nicht mehr lieb." Es ist dieser lakonische Ton gepaart mit einem unverstellten Blick auf die Dinge, wie sie nun mal sind, welche die Wirkung des Stückes ausmachen. Jakubowski hat sich darauf eingestellt. Sie spielt ohne viel Pathos und Schnörkel.
Genauso ist auch das Ende. Oskar stirbt, als Rosa und seine Eltern einen Kaffee trinken. Und Rosa dankt dem Jungen, bei dem nicht so ganz klar ist, wer von den beiden mehr vom anderen profitiert hat.

