Mysterienspiel bewegt die Zuschauer
Schwarzwälder Bote Rosenfeld , 04.09.2018
Von Klaus May

Foto: May Foto: Schwarzwälder Bote
Die Theatergruppe "Das Chamaeleon" spielt das Stück "Jedermann" im Kloster Bernstein. Jedermann lebt in Saus und Braus, bis ihn der Tod ereilt.
Mit ihrer Version von "Jedermann" von Hugo von Hofmannsthal hat die Theatergruppe "Das Chamaeleon" die Zuschauer im ehemaligen Kloster Bernstein bewegt.
Emotional und ausdrucksstark traten die handelnden Personen auf. Mit viel Aufwand war das Theaterstück vorbereitet worden. Die ehemalige Kirche im Kloster Bernstein war ein optimaler Veranstaltungsraum.
Die Handlung streift grundlegende Fragen von Leben und Tod: Als Gott sieht, wie wenig auf Erden nach menschlichen Werte gelebt wird, schickt er den Tod zu ihnen: "Geh du zu Jedermann und zeig in meinem Namen ihm an. Er muss eine Pilgerschaft antreten. Mit dieser Stund und heutigem Tag. Der er sich nit entziehen mag. Und heiß ihn mitbringen sein Rechenbuch und dass er nit Aufschub, noch Zögerung such."
Dieser Jedermann lebt in Saus und Braus, kennt seinen Schuldnern gegenüber kein Erbarmen, die Sorgen seiner Mutter weist er zurück und verfällt immer mehr der Gier nach Geld und der Leidenschaft zu seiner Buhlschaft. Bis eines Tages der Tod ihm einen jähen Strich durch sein pralles Leben zieht: Er fordert ihn auf, sich für den letzten Weg bereit zu machen. Jedermann fleht, ihm eine Frist zu gewähren, um sein "Rechenbuch" in Ordnung zu bringen und sich einen Freund zu suchen, der mit auf seine letzte Reise geht. Und der Tod gewährt ihm einen Aufschub von einer Stunde.
"Das Chamaeleon" adaptierte dieses Mysterienspiel in die heutige Zeit. Doch die Fragen bleiben dieselben: Wie und wofür lohnt es sich zu leben? Für Geld und Beruf? Für Familie, Freunde, Liebe? Was bleibt, wenn nichts mehr bleibt und man in diesem Augenblick die Bilanz seines Lebens ziehen müsste? - Fragen, die in diesen Tagen zum Brennpunkt des politischen und sozialen Lebens geworden sind.
Reichlichen Beifall spendeten die Zuschauer den Schauspielern und dem Stück am Ende der Veranstaltung. Verschiedenste Rollen übernahmen Andreas Wachsmann, Reinhard Froboess, Dorothee Jakubowski, Andrejas Schnell, Swen Richter, Clara Cazzanelli, Dorit Gekle, Rosa Maria Paz, Julia und Katharina Wagner, Magdalena Rau, Monika Bugala und Gerda Timme. Für Technik war Johann Dettling zuständig.
Die Theatergruppe spielte 16 Vorstellungen mit fünf verschiedenen Stücken an neun Spielorten in diesem Sommer. Aus dem Förderprogramm "Leader" sind davon zwölf Vorstellungen gefördert worden.

